GEMA-Konkurrent C3S, die “Cultural Commons Collecting Society” steht in den Startlöchern und macht gehörigen Presserummel. Im Herbst soll die neue Verwertungsgesellschaft gegründet werden, um Anfang 2013 eine Anmeldung beim Deutschen Patentamt zu erreichen.
C3S möchte wesentliche Missstände der bestehenden GEMA-Strukturen korrigieren:
- Die Wahl des Lizenzmodells für Werke bleibt künftig Urhebern überlassen. So werden die freieren Creative-Commons-Lizenzen, die freies Kopieren von Werken zulassen und im Netz immer beliebter werden, neben traditionellen Lizenzen zulässig. Die GEMA gestattet ihren Mitgliedern hingegen nicht, Werke Nutzern frei zur Bearbeitung oder zum Kopieren zur Verfügung zu stellen.
- Demokratie: Bei C3S, die als Genossenschaft aufgestellt werden soll, entscheiden alle Mitglieder über die Regeln, nach denen Gelder verteilt werden. Bei der GEMA sind lediglich 3.500 der insgesamt 65.000 Mitglieder stimmberechtigt.
- Transparenz: Im Gegensatz zur hochkomplizierten GEMA-Verteilung und für Urheber und Lizenznehmer kryptische Abrechnungen, legt C3S auf Transparenz aller „Zahlungstransaktionen und Lizenzierungsvorgänge“ wert.
- Verteilungsgerechtigkeit: Lizenzgebühren werden bis zu einem Schwellenwert von 500 bis 1.000 Euro zu 100 Prozent an Urheber ausgezahlt. Gegenüber dem missbräuchlichen Umverteilungssystem der GEMA (s. div. Beiträge in diesem Blog) ein deutlicher Fortschritt. Erst ab dem Schwellenwert wird ein Anteil der Künstlereinnahmen an die Verwertungsgesellschaft abgeführt. Zur Erläuterung heißt es dazu von Wolfgang Senges (C3S): “Damit versuchen wir, im Sinne der sozialen Verträglichkeit folgende Ansprüche umzusetzen: kein Mitglied streckt einen Mitgliedsbeitrag vor (allenfalls einen einmaligen Betrag beim Eintritt); kein Mitglied erleidet einen Verlust; Einkünfte schwächer verdienender Mitglieder werden nur minimal angerührt (Mitgliedsbeitrag); je besser das Einkommen eines Mitglieds abgesichert ist, um so stärker ist es in der Pflicht, die Gemeinschaft der Mitglieder zu stützen”.
Nähere Informationen auf der C3S-Webseite.
Sollte C3S tatsächlich 2013 erfolgreich an den Start gehen, steht auch die GEMA endlich unter Zugzwang, was Reformen der verkrusteten Strukturen betrifft. Die GEMA selbst sah sich in der Vergangenheit angesichts solcher Vorstöße und trotz seit Jahren steigender Umsätze hingegen „einer übermächtigen Lobby einer begehrlichen, nur an der Gewinnmaximierung orientierten Nutzerindustrie gegenüber“, so GEMA-Vorstandsmitglied Jörg Evers, einst selbst scharfer Kritiker des Verteilungsreglements der GEMA.

Der Körper der GEMA (von Tim Dada CC 3.0 by-nc-nd)
Guter Ansatz! Wir verfolgen gespannt, ob dadurch mehr Bewegung ins Spiel kommt…