Der Sturm medialer Kritik, der derzeit über sie hereinbricht, dürfte selbst die eisernsten Betonköpfe bei der GEMA verstören: Noch nie wurde in der Presse so umfassend über mafiöse Verteilungsstrukturen, irrwitzige Vorstandsgehälter und Urheber-Verarsche durch den Rechtsverwerter berichtet. Hinzu gesellen sich immer mehr GEMA-Mitglieder, die demokratische Verfahren, Verteilungsgerechtigung und Transparenz von ihrem Verein einfordern. Die GEMA ruft unterdes Dieter Bohlen und den Herrgott an.
Gestern demonstrierten rund 5.000 Künstler, Clubber und Aktivisten beim dem GEMA-Mitgliederfest vor dem Berliner Frannz-Club – darunter zahlreiche GEMA-Mitglieder. Die Veranstalter von der „Initiative Fairplay“, zu der sich Berliner Clubcommission, Dr. Mottes Electrocult e.V., Künstler und Clubveranstalter zusammengeschlossen haben, verkündeten eingangs eine Sensation: Die Berliner Politik hat sich geschlossen hinter ihre Kritik an der wirtschaftlich ruinösen GEMA-Tarifreform 2013 für Veranstaltungen gestellt. Alle Fraktionen unterstützten einen Beschluss, demnach der Berliner Senat die GEMA auffordern soll, „in Hinblick auf die Ausgestaltung ihres Tarifsystems die wirtschaftliche Betätigung von Musikveranstaltern und Clubbetreibern nicht in der Weise zu beeinträchtigen, dass eine wirtschaftliche Betätigung nicht oder kaum noch möglich ist“. Zahlreiche Clubs hatten in den vergangenen Wochen angekündigt, 2013 dicht machen zu müssen. Partyhauptstadt Berlin lässt sich nun auch von der Politik feiern: Das ist trotz Bürgermeister Wowereits vielbeschworener Feierlaune ein absolutes Novum.
Darüber hinaus fordern die Politiker die Verbesserung der finanziellen Rahmenbedingungen für gemeinnützige Veranstaltungen und „insgesamt transparente und gerechte Tarif-Regelungen“. Dann müsste sich die GEMA warm anziehen, gilt doch der GEMA-Verteilungsmechanismus als gewaltige Umverteilungsmaschinerie zugunsten von Urheber-Erben, Chart-Dinosauriern und GEMA-Apparatschiks - beginnend mit 484.000 € Gehalt des Vorstandsvorsitzenden Dr. Harald Heker (54) – mehr als doppelt so viel wie die Bundeskanzlerin. An der kreativen Basis kommt hingegen wenig von den Unsummen an, die die GEMA jedes Jahr für Speichermedien, Veranstaltungen, Radio-Ausstrahlungen und Veröffentlichungen kassiert: 825 Mio. € (2011). Mit solchen Beträgen ist die GEMA für die Finanzierung der deutschen Musikkultur wichtiger als sämtliche Labels in Deutschland zusammen. Im Umkehrschluss heißt das: Die GEMA ist die tragende Säule eines Subventionssystem für Spitzenverdiener der Kulturindustrie. Das formulierte GEMA-Sprecherin Gaby Schilcher letzte Woche - wie gewohnt realitätsverzerrend - so: „Und wenn, Herrgott nochmal, die Masse der Menschen Dieter Bohlen hören will, dann ist das so”.
Zur Finanzierung ihrer kulturfeindlichen Ideologie kassierte die GEMA 2011 123 Millionen Euro an „Aufwendungen”. Soviel kostet die Arroganz der Macht.
Normaleweise verdient jede Radiosender genugt geld von deine Werbe vertrieb. Wozu ist GEMA überhaupt da? A trick played on the people a long time ago thzat just happens to still work until now (just like the banks).
Die GEMA erfüllt eigentlich einen sinnvollen Zweck in der Finanzierung von musikalischer Arbeit. Überall, wo Musik genutzt wird, erhebt sie Gebühren, die sie an die Musikurheber gehen. Leider stimmt das nur im Prinzip (siehe Artikel).
Danke für den Artikel! Die aktuelle Heftigkeit der Debatte beweist einmal mehr den universellen Wert von Musik für jeden Menschen. Und die GEMA ist ‘nur’ eine von vielen Institutionen, die aufgrund von Intransparenz Abschöpfsysteme installieren konnte. Wohlfeile, am Gemeinwohl orientierte Theorie in verschleiert parasitäre Praxis umzusetzen, ist jeweils die Methode. Die Liste könnte mit Bankenrettungen, Privatisierung von Grundversorgungsunternehmen (Energie, Wasser, TK), Politikbetrieb und Entwicklungshilfe beginnen, liesse sich aber beliebig fortsetzen - the tricks still work until sheeple are educated and bold enough to question authority..
Die GEMA zelebriert sich selbst in irrwitzig teuren Werbekampagnen. Dafür beißen Clubs ins Gras. Das alles kann nicht richtig sein. Ein Monopolist im Selbstbedienungsladen und keiner sagt was.